Generation Beziehungsunfähig ?

generation beziehungsunfähigMichael Nast hat mit seinem neuen Roman „Generation Beziehungsunfähig“ den Zeitgeist getroffen. Nach nur wenigen Tagen landete sein Roman auf Platz eins der Spiegel Bestsellerliste. Sein vorangegangener Blogbeitrag mit gleichem Namen erhielt innerhalb einer Woche knapp eine Million Klicks!
Nast beschreibt in seinem Buch, was die Multioptionsgesellschaft und das Gefühl, etwas Besonderes zu sein und sein zu müssen, mit uns machen. Demzufolge ist es nicht überraschend, dass wir unsicher geworden sind und uns ungern festlegen, wenn es um die Partnerwahl geht.

Immer wieder stellen mir Klienten im Erstgespräch eine Frage: die nach der grundsätzlichen Beziehungsfähigkeit. Genauer, ob sie beziehungsunfähig sind, weil sie keinen passenden Partner finden können. Das gesellschaftliche Phänomen ist meiner Einschätzung nach von der pathologischen Bindungsangst abzugrenzen. So beschreiben es auch Michael Nast und ich in einem meiner vorangegangenen Blogs „Darum hat es der Großstadtsingle so schwer“.

Anzeichen für eine pathologische Bindungsangst können sein:

    • Nähe wird als etwas Bedrohliches wahrgenommen
    • Nähe löst einen starken Fluchtinstinkt aus
    • Mehrere gescheiterte Beziehungen, meist von kurzer Dauer; für das wiederholte Scheitern sucht man die Schuld bei sich
    • Häufig haben Betroffene schlüssige, rationale Erklärungen für ihr Beziehungsverhalten und ihren Freiheitsdrang
    • Beziehungen werden im starken Zwiespalt zwischen extremer Nähe und unüberbrückbarer Distanz gelebt

 

Pathologische Bindungsangst hat mit Angst vor Verlust oder vor Abhängigkeit zu tun.

Die Auslöser für eine pathologische Bindungsstörung sind meist in der frühen Kindheit zu finden. Wenn Kinder die Erfahrung machen, abrupt von engen Bezugspersonen getrennt zu werden oder die Bezugspersonen häufig wechseln, wenig Fürsorge erhalten und keine innere Sicherheit entwickeln können, dann kann dies einen erheblichen Einfluss auf das Bindungsverhalten als Erwachsene haben. Auch Missbrauch und Misshandlung führen oft zu Traumata, die stabile Bindungen im Erwachsenenalter stark erschweren.

Umgekehrt kann auch Überbehütung in der frühen Kindheit zu Bindungsängsten führen. Wer als Kleinkind nicht oder nicht ausreichend die Möglichkeit erhält, die Welt auf eigene Faust zu erkunden, Erfahrungen zu sammeln und seine kleine Persönlichkeit zu entwickeln, dem wird vom Elternteil ein entschiedener Entwicklungsschritt verwehrt: Selbstwirksamkeit. Selbstwirksamkeit bedeutet, Bewusstsein dafür zu haben, Dinge aufgrund eigener Kompetenzen selbst ausführen zu können.
Darauf reagieren die meisten Kinder irgendwann mit Rebellion und nabeln sich ab. Wer als Kind Überbehütung erfahren hat, wer um Autonomie und Selbstständigkeit kämpfen musste, kann diese durch die Nähe einer Beziehung stark bedroht sehen und als Erwachsener das Gefühl haben, ständig weiter um seine Freiheit kämpfen zu müssen.

Bindungsängste sind tief im Unterbewusstsein vergraben. Deshalb ist es nicht so einfach, sich selbst von ihnen zu befreien.
Coaching oder eine Therapie helfen, das eigene psychische Programm zu erkennen und neue Entscheidungsspielräume für eine glücklichere Partnerschaft zu schaffen.

Eine Idee zu “Generation Beziehungsunfähig ?

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