Wie viel Druck ist in der Partnerschaft erlaubt ?

Erwartungsdruck, Leidensdruck, Entscheidungsdruck, Zeitdruck…
Immer wieder erfahre ich von Klienten, dass Sie mit dem Thema Druck hadern.
Übe ich Druck auf meinen Partner aus? Und wie viel Druck ist erlaubt? Darf ich diese Erwartungen haben?
Fest steht, Druck ist kein sehr angenehmes Gefühl.

Oft verwechseln wir Druck mit Klarheit und Wünschen.
Wenn du Druck ausübst, dann kommt das meist mit einer (versteckten) Drohung oder Konsequenz. Kennst du das?

Das kannst du leicht umgehen, indem du deine Bedürfnisse in Form von Wünschen äußerst. Das schafft Klarheit. Keinen Druck. In einer gesunden Beziehung oder auch in der Beziehungsanbahnung sollten beide Partner zu Ihren Wünschen, Bedürfnissen und Erwartungen stehen und nicht scheuen sie anzusprechen.

Wünsche äußern und Druck aufbauen sind zwei verschiedene Dinge.

Gib deinem Partner die Gelegenheit mit deinen Bedürfnissen umzugehen, zu überlegen, nachzuspüren. FREI in seinen Empfindungen und Gedanken zu spazieren. Halte aus, dass dein Partner, oder möglicher Partner, vielleicht ein wenig Abstand braucht, um in sich zu gehen. Um sich frei ordnen zu können, hilft es dem Partner, zu signalisieren: „Hey auch wenn ich einen brennenden Wunsch habe, ich bin deinen Gedanken dazu offen“. Das ist Ergebnisoffenheit. Und die ist eine Frage der Haltung. Und die spürt der andere ganz deutlich. Es geht also nicht nur darum „Wie„ etwas formuliert ist, sondern ob die Haltung dazu auch stimmt.

Frei getroffene Entscheidungen sind meist die besseren Entscheidungen!

Um eine ergebnisoffene Haltung einzunehmen, hilft es dir vor Augen zu führen, dass der Partner oder mögliche Partner, keineswegs dazu verpflichtet ist deine Wünsche (immer) zu erfüllen. Deshalb sind es ja Wünsche.
Und die dürfen sich von denen deines Partners unterscheiden. Viel wichtiger ist, wie ihr mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Erwartungen umgehen wollt. Dabei kann natürlich auch rauskommen, dass die unterschiedlichen Wünsche nicht vereinbar sind. Das kann verletzend sein. Dennoch: Manchmal sind getrennte Wege, die besseren Wege.

Aber irgendwann muss doch eine Entscheidung her.
Veränderung. Handlung. Fortschritt.
Ja. Das stimmt.
Das höre ich oft von meinen Klienten:
Wenn der Partner dem Thema Familiengründung aus dem Weg geht.
Wenn die verheiratete Affäre, trotz Beteuerungen, sich einfach nicht vom Ehemann trennt.
Wenn das Tinderdate unverbindlich bleibt. Man zwar miteinander schläft, über feste Bindung aber nicht gesprochen wird.

Und irgendwann stehen Elefanten im Raum. Du bist unzufrieden, frustriert oder wütend. Weil man ja den anderen bloss nicht unter Druck setzen möchte! Weil du denkst, deine Erwartungen sind zu hoch.
Deshalb mache dir den Unterschied zwischen „Druck machen“ und einen „Wunsch äußern“ klar.
Denke daran, dass frei getroffene Entscheidungen meist die besseren sind.

Aber was ist, wenn ich Raum gebe, es passiert aber nichts?
Was, wenn ich keine Antworten auf meine Fragen bekomme?
Wann darf ich eine Entscheidung einfordern?

Manchmal braucht es ein Quäntchen Druck für Veränderung.

Manchmal ist ein wenig Druck nötig, um Dinge voranzutreiben. Klarheit und Orientierung zu schaffen.
Frage dich, was du von dir selber brauchst, um eine Entscheidung zu fordern. Dir selbst zu erlauben und einzugestehen, dass du gewisse Erwartungen, Wünsche und Bedürfnisse hast.

Aus meiner Sicht geht es dann um zwei wesentliche Faktoren.

1. Es geht um Dich, deine Werte und dein Wohlbefinden.
Wie lange kann ich es aushalten in der Luft zu hängen?
Wie lange kann ich mit Unklarheiten leben?
Wie viel willst und kannst du aushalten?
Spüre hin wo deine Schmerzgrenze ist.
Wie lange tust du dir selber damit gut, dem anderen Raum zu geben?

2. Wie viel Zeit und Raum ist der Situation „entsprechend“ und „angemessen“. Hier hilft dir deine Ratio.
Ist es angemessen, nach drei Jahren Beziehung, über Kinder und Familienplannung sprechen zu wollen? Ja, definitiv.
Ist es angemessen, nach drei Dates zu erwarten, die Priorität im Leben des anderen zu sein. Eher nein.
Ist es angemessen von einem neuen Partner zu erwarten, der sich gerade von seinen Kindern und seiner Frau getrennt hat, sofort zusammen zu ziehen? Eher nicht.
Lass dir hier von deinem Verstand helfen.

Noch ein abschließender Gedanke: Wer sich mit gewissen Themen, Entscheidungen und Erwartungen nicht auseinander setzen möchte, möchte sich eigentlich nicht mit dir (und auch mit sich selbst) auseinander setzen. Und das kann auch deine Antwort sein. Eine bittere. Aber auch eine befreiende.

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