Wenn sich der Partner gegen eine Paartherapie bzw. ein Paarcoaching wehrt….

Konflikt_PaarBeziehungsprobleme haben die meisten Paare. Sich professionelle Hilfe zu holen, bleibt aber weiterhin ein Stigma.
Ich möchte hier einmal einen Vergleich anstellen.Wenn wir uns beispielsweise ein Bein brechen, ist es selbstverständlich, dass wir zum Arzt gehen. Wir lassen uns behandeln, suchen vielleicht sogar noch einen Spezialisten auf, um eine zweite Meinung zu bekommen. Mit unserem eingegipsten Bein kommen wir in den folgenden Wochen immer wieder zur Routinekontrolle, um den Heilungsprozess zu beobachten und ggf. eingreifen zu können. Wir sprechen mit unseren Ärzten, was wir tun können, um diesen blöden Gips vielleicht schon etwas schneller loszuwerden. Jeder, der bei einem Beinbruch nicht zum Arzt ginge, würde wahrscheinlich für verrückt erklärt werden. Hier scheint es selbstverständlich, sich helfen zu lassen!

Ähnlich geht es uns im Berufsleben: Wir arbeiten daran, unsere Karrieren voranzutreiben und fragen uns, wo wir Freude und Befriedigung aus unserem Arbeitsalltag ziehen können, wie wir Fantasie, Kreativität und Leidenschaft in unseren Job bringen können. Und wie wir sie über eine längere Zeit erhalten können. Wir sprechen darüber mit Freunden, Lebenspartnern, Kollegen, Mentoren, unserem Netzwerk. Nicht selten nutzen wir hierbei das Know-how eines Profis, die Coaching-Branche boomt und mittlerweile bieten eine Vielzahl von Unternehmen ihren Angestellten ein Business-Coaching zum beruflichen Werdegang an. Die eigenen Talente und Begabungen in den Beruf einbringen zu wollen, scheint also auch hier eine Selbstverständlichkeit, und wir sind gerne bereit, uns Rat und Hilfestellungen zu holen, um uns beruflich weiterzuentwickeln.

Werfen wir nun einen Blick auf unsere Beziehung oder Ehe. Leider sind die wenigsten Paare bereit, sich professionelle Hilfe zu holen, wenn sie in eine Krise geraten. Dabei liegt es doch in der Natur der Sache, dass zwei unterschiedliche Menschen, die eine Partnerschaft miteinander eingehen, früher oder später auf schwierige Situationen stoßen.

Partnerschaft und Familie tragen maßgeblich zum Wohlbefinden bei.

Viele Paare sehen es als Unzulänglichkeit und Schwäche an, sich bei Beziehungsproblemen eine Paartherapie oder Eheberatung auszusuchen. Das Gefühl des Versagens und der Scham scheint in vielen Fällen so groß zu sein, dass viele ihre Partnerschaft lieber einschlafen lassen oder gar beenden. Dabei gilt die eigene Familie, Ehe oder Partnerschaft als eine der wichtigsten Kraftquellen und Ressourcen im Leben.

Daher möchte ich einmal dazu einladen, eine andere Perspektive einzunehmen.
Sich in eine Paarberatung, Paartherapie oder Eheberatung zu begeben, bedeutet Wertschätzung der Beziehung. Es bedeutet sich selbst, seinem Partner und der Beziehung Respekt und Achtung entgegenzubringen. Es bedeutet, bereit zu sein, an sich selbst zu arbeiten und die Herausforderungen einer Partnerschaft anzunehmen.

Paartheraphie bedeutet nicht Scheitern der Beziehung. Es bedeutet Wertschätzung der Beziehung!

Es bedeutet, der Beziehung eine Möglichkeit zu geben, sich weiterzuentwickeln und ein neues Gleichgewicht zu schaffen. Dabei geht es darum, aufeinander zuzugehen und nicht einen Schuldigen zu ermitteln oder bloßgestellt zu werden. Das ist sicherlich nicht immer einfach, aber dennoch lohnenswert, wenn man bedenkt, dass in jeder Veränderung auch tolle Chancen für sich und die Beziehung stecken. Oftmals ist auch einer der Partner skeptisch, wenn es darum geht, einen Therapeuten aufzusuchen.

Hier ein paar Tipps, wenn sich der Partner dagegen wehrt, sich professionelle Hilfe zu holen

  • Besorgen Sie sich einschlägige Literatur und tasten Sie sich langsam an die Thematik heran, lesen Sie sich ein und arbeiten Sie gemeinsam an Ihren Beziehungsproblemen. Wählen Sie dafür einen geeigneten Zeitpunkt aus, bei dem Sie in Ruhe Gespräche führen können. Schlagen Sie Ihrem Partner auch vor, sich therapeutische Unterstützung zu suchen, wenn Sie das Gefühl haben, allein nicht mehr weiterzukommen.
  • Machen Sie Ihrem Partner deutlich, dass es für Sie wichtig ist, eine Paartherapie, Paarberatung oder Eheberatung in Anspruch zu nehmen. Drohen Sie aber nicht und vermeiden Sie es, Druck auf Ihren Partner aufzubauen. Laden Sie ihn oder sie beispielsweise stattdessen dazu ein, unverbindlich, als Gasthörer mit in die Sitzung zu kommen. So erfährt er oder sie, wie eine Beratung oder Therapie abläuft und kann seine Befangenheit eventuell abbauen. Eine Alternative wäre es, es für drei Sitzungen zu versuchen und die Beratung oder Therapie abzubrechen, wenn das Gefühl aufkommt, es bringe überhaupt nichts.
  • Machen Sie im Vorfeld der Therapie oder Beratung mit Ihrem Partner aus, worüber Sie mit dem Therapeuten sprechen möchten. Überlegen Sie sich, welche Themen für Sie zu weit gehen und sprechen Sie unbedingt vor der Beratung mit Ihrem Partner darüber.
  • Vereinbaren Sie Probesitzungen. Stellen Sie sicher, dass Sie sich bei Ihrem Therapeuten wohl und aufgehoben füllen. Für den Therapieerfolg ist es wesentlich, ein vertrauensvolles Verhältnis miteinander aufzubauen.

 

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