Affäre beichten oder verschweigen?

Seitensprung_affäreUdo Jürgens sagte schon, dass Treue etwas für Menschen ohne Gelegenheiten sei, und Helmut Schmidt berichtete unlängst, dass er jahrelang eine Zweitfrau hatte. Es scheint fast so, als sei Monogamie tatsächlich ein schwieriges Konzept für die menschliche Spezies: Jeder zweite Deutsche ist schon einmal fremdgegangen.

 

Oft werde ich als Expertin gefragt: „Soll ich die Affäre beichten oder nicht?“

Ich denke, man sollte differenzieren. Sich ehrlich die Frage stellen: Welche Bedeutung hat die Affäre oder der Seitensprung für die Beziehung?
Handelt es sich um einen „Ausrutscher“, dann sollte man den One-Night-Stand lieber mit ins Grab nehmen und auch das schlechte Gewissen aushalten. Sicher, Ehrlichkeit ist eine Tugend. Aber mit der Beichte muss dann der Betrogene leben… und der Preis, den die Beziehung für ein Geständnis zahlt, ist ziemlich hoch!
Wenn es sich also tatsächlich um einen Ausrutscher handelt und Sicherheit besteht, das es ein Intermezzo bleibt und keine Konsequenzen für die Beziehung hat, dann sollte die Devise lauten: schweigen und genießen!

Sollte sich die Affäre aber als längerfristiges Engagement entpuppen, dann hilft es, das Gespräch mit dem Partner zu suchen. Für den Betrogenen ist das natürlich ein großer Schock, unglaublich verletzend und ein enormer Vertrauensbruch. Meist geht es gar nicht so sehr um den sexuellen Betrug, sondern die Verletzung entsteht vor allem deshalb, weil der Betrogene monatelang hintergangen und belogen wurde. Weiß der Betrogene nichts von der Affäre, entzieht man ihm oder ihr auch die Möglichkeit zu agieren. Wenn ich mit Paaren arbeite, berichten mir die Betrogenen oft, dass das Gefühl der Ohnmacht mit das schlimmste Nebenprodukt sei, wenn eine Affäre auffliegt oder kommuniziert wird. Es steht dem oder der Betrogenen also auch zu, zu überlegen, wie mit der Außenbeziehung umgegangen werden soll: Ist die Verletzung so groß, dass die Partnerschaft beendet wird? Kann ich verzeihen? Wenn ja, unter welchen Umständen?

Zu einer Beziehung und auch zu einer Affäre gehören zwei Menschen, und zu sagen nur der Betrüger trägt die Verantwortung, ist, denke ich, zu kurz gegriffen. Auch der Betrogene hat seinen Teil dazu beigetragen, dass Bestätigung im Außen gesucht wird.

Daher rate ich Paaren
, die es weiterhin miteinander versuchen möchten, sich gemeinsam mit ihrer Beziehung auseinanderzusetzen. Folgende Fragen können dabei hilfreich sein:

  • Habe ich vielleicht unbewusst ein Motiv gesucht, um die Beziehung zu verlassen?
  • Laufe ich vor etwas weg? Ist mir mein Partner zu nah, so dass ich in eine außereheliche Beziehung flüchte?
  • Welchen Teil habe ich dazu beigetragen, damit sich mein Partner von mir entfernen konnte? Habe ich meinen Partner so eingeengt, dass er das Weite gesucht hat?
  • Bin ich oder sind wir mit unserer Sexualität zufrieden?
  • Fühle ich mich wertgeschätzt in meiner Beziehung? Wenn nein, was brauche ich, oder wir, damit wir uns wieder gesehen und geliebt fühlen?
  • Was gibt mir die Affäre, was mir mein Partner (momentan) nicht gibt? Wie kann ich, oder wie können wir, das „Fehlende“ wieder in die Beziehung einführen?
  • Werde ich ausreichend beachtet? Und beachte ich meinen Partner auch ausreichend?

Es mag verstörend klingen, aber eine Affäre kann auch eine Chance sein, um die Dinge, die in der Beziehung im Argen liegen, zu klären. Das kann ein sehr schwieriger und schmerzhafter Prozess sein. Geben Sie sich genügend Zeit, das Geschehene zu verarbeiten!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.