Hört auf, krampfhaft „entspannt“ zu sein, und seid authentisch

chillen_Beziehung_entspanntOder: Warum authentisch zu sein uns viel Leid und Zeit erspart.

Immer wieder begegne ich in meiner Praxis Menschen, die überzeugt davon sind, von einem potenziellen Partner – vor allem in der Anbahnungsphase – nichts oder wenig erwarten zu dürfen. Ich höre dann Dinge wie:
„Wenn ich äußere, was ich möchte, dann übe ich ja Druck aus und dann haut er vielleicht ab“
„Wenn ich über meine Erwartungen spreche, dann lege ich ihm ja das Messer auf die Brust“
„Wenn ich xy sage, dann gebe ich ja viel zu viel von mir preis und zeige, dass ich ihn mag“

Kommt Dir das bekannt vor? Ich bin mir sicher, jeder von uns hat eine ähnliche Situation schon mal erlebt, oder einem Freund oder eine Freundin geraten, „sich mal zu entspannen“ und anfangs nicht zu viel zu verlangen.

Dummerweise werden mit dem „Entspannen“ unsere Erwartungen und Wünsche an die potenzielle Beziehung nicht wirklich weniger. Stattdessen staut sich etwas in uns auf, weil wir das Verhalten des anderen dulden und ertragen, was irgendwann zickig, hart oder ziemlich barsch kommuniziert wird. Dieser Moment eben, wo das bekannte Fass ganz einfach überläuft, weil er tagelang nicht schreibt (Du übrigens auch nicht)… unser Herz drückt… und wir uns unausgeglichen fühlen… mit uns hadern.
Das blöde ist: Plötzlich haben wir nichts mehr von der Entspanntheit, die wir vorgegeben haben. Kurz: Wir stellen Forderungen. Da kann es gut sein, dass er tatsächlich abhaut, weil er von einer wütenden oder sogar hysterischen Ansage überfordert ist…

Wunsch und Forderung sind zwei verschiedene Dinge

Dabei gibt es einen Unterschied zwischen etwas zu verlangen und einen Wunsch zu äußern. Wünsche zu äußern, kannst Du viel besser, wenn Du in Deiner Kraft bist. Wenn Dein Gemüt schon unter Stress steht, weil Du aus ihm verdammt noch mal einfach nicht schlau wirst, werden es leicht Forderungen.
Du hast jedes Recht, einen Wunsch zu äußern und Deine Bedürfnisse dahingehend anzusprechen. Jedoch ist keiner verpflichtet, Dir deine Wünsche zu erfüllen. Sie aber gar nicht erst zu äußern, hilft leider auch nicht. Weil das, was wir wollen, schwammig bleibt. … Wie soll man auf Schwammigkeit reagieren? Wie soll man so herausfinden, ob es tatsächlich passt?

Eine Beziehung kann nicht entstehen, wenn wir selber unverbindlich sind

Der „ganz entspannte Typ“ bleibt schwammig, in der passiven und abwartenden Haltung… um den anderen nicht zu verscheuchen oder zu verängstigen.
Möchtest Du wirklich die Person oder der Partner sein, der alles mitmacht?
Gefühlt entspannt ist eine ganze Generation, die nicht ganz zu Unrecht den Namen Generation Beziehungsunfähig erhalten hat.
Wer möchte mit jemanden zusammen sein, der uns Unverbindlichkeit vermittelt? Der nicht greifbar ist? Dabei geht es nicht darum, einen Seelenstriptease zu veranstalten. Zu Anfang darf man sich auch etwas (künstliche) Mysteriösität wahren und natürlich wollen wir uns von unserer Schokoladenseite zeigen. Dennoch, der andere will wissen: Wer bist Du?

Wir wollen wissen: Wer bist Du?

Welche Stärken und Schwächen machen Dich zum Menschen? Perfekt ist bumslangweilig. Vielmehr wollen wir herausfinden: Was macht Dich aus? Was tust du gern? Was verbindet uns? Wie fühle ich mich in Deiner Gegenwart?
Alles Dinge, die wir leider nicht herausfinden, wenn wir “entspannen“ und uns mega gechillt zeigen… so tun als wäre alles ok… wenn wir so tun als wäre es nicht schlimm, wenn er sich eine Woche nicht meldet… keine Grenzen setzen. Und was wäre so schlimm daran, sich vielleicht selber zu melden, wenn du Lust dazu hast?

Wer klar und authentisch kommuniziert, findet schneller raus, ob’s wirklich passt

Seid authentisch! Zeigt Euch, habt Mut, nicht nur Euch selbst als Menschen zu zeigen, sondern dem andern zu signalisieren: „Hey, ich mag Dich, ich will Dich näher kennenlernen“ – Das bedeutet nicht „Ich liebe Dich über alles, wir heiraten morgen“ (und wer das so interpretiert, hat einfach nur Angst sich einzulassen und eine super Ausrede, sich aus dem Staub zu machen).
Wenn er Dich mag, wird er auch Deine Macken, Spleens und Zickereien zu nehmen wissen. Du darfst auch mal nerven und anstrengend sein. It´s a package deal! Und zwar das Paket, das uns so herrlich menschlich macht.

Wie genau mache ich das, authentisch zu sein?

Seid selbstbewusst: Wenn Du zufrieden mit Dir selbst sind, hast Du auch keine (oder zumindest eine annehmbare) Angst, Dich so zu zeigen, wie Du bist.
Zeige Gefühle: Was bewegt mich? Was geht in mir vor? Habt Mut, Euch mitzuteilen. Was löst Angenehmes in Dir aus, was eher Unangenehmes? Lass Dich bei Gesprächen nicht ablenken, sei wirklich beim anderen. Hör gut zu und frage wirklich interessiert nach. Dein Gegenüber merkt schnell, ob du nur höflich oder tatsächlich aufrichtig bist.
Steh zu Dir: Finde heraus, was Dir wichtig ist und was nicht. Sei Dir und anderen gegenüber dahingehend ehrlich. Sei Dir über Deine Wünsche, Werte und Bedürfnisse im Klaren und lass dich nicht von Dritten beeinflussen.

Natürlich musst Du auch damit rechnen, dass der andere sich vielleicht nicht in Dich verliebt… So ist das Leben, wir müssen auch damit umgehen können, dass wir nicht zurückgeliebt werden. Das kann ziemlich wehtun, klar.
Aber: Wenn wir schnell und klar kommunizieren, was wir vom anderen möchten, dann ersparen wir uns auch Endlos-Affären und „Rumgeeiere“.
Das ist nicht so einfach. Ja. Dennoch denke ich, macht es vieles einfacher, weil es Klarheit schafft, wenn Du kommunizierst, was Dir wichtig ist, welche Bedürfnisse Du hast und wo Deine Grenzen sind, dass es einfach nicht ok ist, sich eine Woche nicht zu melden…
Heißt übersetzt: sich wirklich kennenzulernen.
Du kannst so auch an Handlungen sehen, ob er bereit ist, auf Deine Bedürfnisse einzugehen. Ob er bereit ist, sich auf Dich einzulassen. Ob Ihr überhaupt zusammen passt.
Du merkst schneller, woran der andere interessiert ist: Jemand, der etwas Unverbindliches sucht, wird wenig Rücksicht auf Deine Wünsche nehmen.
Wer mit DEINEN klaren Worten nicht umgehen kann, will keine feste Beziehung mit DIR, kann keine Nähe zulassen oder ist momentan nicht bereit, eine feste Beziehung einzugehen.

Das ist natürlich alles keine Garantie für Beziehungsglück. Mal verlieben wir uns, mal nicht, mal entwickelt sich nur eine Schwärmerei, mal werden die Gefühle jeden Tag stärker und es wird eine Beziehung… Aber: Wir lassen uns auf einen Menschen ein, und nur so sind wir wirklich in der Lage, auch abzuwägen, ob wir ein Stück des Weges miteinander gehen möchten oder nicht… Also: Entspannt wird ab jetzt nur noch im Strandurlaub!

P.S. Der Einfachheit halber aus der weiblichen Perspektive geschrieben. Gleiches gilt für die Herren.

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